{"id":2650,"date":"2020-03-29T19:04:16","date_gmt":"2020-03-29T17:04:16","guid":{"rendered":"https:\/\/bitzen-online.de\/wp\/?p=2650"},"modified":"2025-04-20T11:31:44","modified_gmt":"2025-04-20T09:31:44","slug":"2650","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bitzen-online.de\/wp\/?p=2650","title":{"rendered":"2020\/03\/29 &#8211; Geschichten aus Bitzen"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.16&#8243; custom_padding=&#8220;0px||0px||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text admin_label=&#8220;\u00dcberschrift&#8220; _builder_version=&#8220;4.16&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<span style=\"font-size: large;\"><strong>Bitzen in Zeiten ohne Klopapier<\/strong><\/span>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; max_width=&#8220;97%&#8220; custom_padding=&#8220;0px||0px||false|false&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<strong>Auszug aus \u201eGeschichten aus Bitzen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Fast alle H\u00e4user hatten eine kleine Landwirtschaft. Es wurden H\u00fchner, Schweine, Schafe, Ziegen, vielleicht sogar K\u00fche gehalten. Manchmal waren es nur H\u00fchner, manchmal auch Schweine oder Ziegen dazu, manchmal K\u00fche. F\u00fcr K\u00fche aber musste man schon etwas mehr Land besitzen, so dass man die K\u00fche zum Grasen auf die Wiesen treiben konnte und f\u00fcr den Winter Heu ernten. Weil alles Vieh Mist macht, braucht man in jedem Hof eine \u201eMiste\u201c. Praktischerweise lag sie direkt am Stall. Hier wurden die Schubkarren mit der Stroh-Mist-Mischungen abgeladen. Alles Fl\u00fcssige daraus konnte absickern in die Br\u00f6hkoul. Das Ergebnis daraus war eine gut vergorene braungr\u00fcne Fl\u00fcssigkeit, die im Fr\u00fchjahr als Fl\u00fcssigd\u00fcnger auf die Felder aufgebracht wurde. Direkt an der Miste war auch das Klo f\u00fcr die Menschen. Das nannte man damals \u201eAbtritt\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"30%\" class=\"wp-image-2657 alignnone size-medium\" style=\"float: right; margin-left: 20px;\" alt=\"Bleistiftzeichnung Kind sitzt auf Plumpsklo\" src=\"https:\/\/bitzen-online.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Abtritt-199x300.jpg\" \/>An all das konnte mich gut erinnern. An das etwas raue Holz und das runde Loch und an den gro\u00dfen gebogenen Nagel, auf dem das Klopapier aufgespie\u00dft war. Ich hatte n\u00e4mlich meinem <strong>OpaHeinrich<\/strong> schon einmal geholfen, Klopapier zu rimmeln. Wenn <strong>OpaHeinrich<\/strong> die Rheinzeitung gelesen hatte, riss er alle Seiten in vier gleich gro\u00dfe Teile.<br \/>\nUm den Bobbes damit abzuputzen, war das Papier zu glatt, so erkl\u00e4rte mir <strong>OpaHeinrich<\/strong>. Man musste es, wie beim Sockenwaschen zwischen den Handballen von linker und rechter Hand hin und her reiben. Opa zeigte mir, wie man das macht, ohne das Papier zu zerrei\u00dfen. So wurde die Oberfl\u00e4che stumpf und weich. Opa machte dann ein Loch in eine Ecke und f\u00e4delte die geknautschten Papierst\u00fccke auf einen zum Hacken gebogenen gro\u00dfen Nagel.<br \/>\nWie alle Abtritte war auch unserer mannshoch. Vorne war eine T\u00fcr. Unsere war ohne Guckloch in Augenh\u00f6he. Durch die h\u00e4tte man sehen k\u00f6nnen, ob da schon jemand drin sa\u00df. Unsere T\u00fcr hatte einen Riegel zum Verschlie\u00dfen. F\u00fcr mich war das sowieso egal. Ich war zu klein, sowohl, um durchzusehen als auch zu verriegeln. Wenn ich es auf das Brett geschafft hatte, brauchte ich alle meine Konzentration, um \u00fcber dem gro\u00dfen Loch zu balancieren. W\u00e4re ich erwachsen gewesen, h\u00e4tte ich mich einfach mit beiden abgewinkelten Beinen auf dem Boden stabilisieren k\u00f6nnen &#8211; meine Beine baumelten in der Luft. Mit beiden H\u00e4nden hielt ich mich an der Bretterkante fest, um nicht nach hinten in das Loch und &#8211; so stellte ich mir vor &#8211; in die dunkle Br\u00fche zu fallen, die man weniger sehen als riechen konnte.<br \/>\nZum Gl\u00fcck war das Sitzbrett durch eine weitere senkrechte Bretterwand abgest\u00fctzt. Das war ganz praktisch. Es verhinderte, dass die Waden bespritzt w\u00fcrden, wenn \u201edas Gesch\u00e4ft\u201c mit Verz\u00f6gerung und einem lauten Platsch in die Br\u00f6hkoul fiel.<br \/>\nWenn ich dann nach rechts zum gekr\u00fcmmten Nagel reichen wollte, um die gerimmelte Rheinzeitung abzurei\u00dfen, wurde es echt schwierig. Ich musste mich nach vorne beugen, hatte nur noch eine Hand um mich festzuhalten.<br \/>\nJetzt runter h\u00fcpfen, die Unterhose hoch ziehen, fertig!<\/p>\n<p><em><strong>Anmerkung der Verfasserin:<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Ausgelesene Zeitung als Klopapier benutzen ist nur gut, wenn man auf ein Plumsklo geht. Unsere innh\u00e4usigen Toiletten mit Wassersp\u00fclung w\u00fcrden verstopfen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Bild und Text: Sigrid Vollstedt<\/strong>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bitzen in Zeiten ohne KlopapierAuszug aus \u201eGeschichten aus Bitzen\u201c Fast alle H\u00e4user hatten eine kleine Landwirtschaft. Es wurden H\u00fchner, Schweine, Schafe, Ziegen, vielleicht sogar K\u00fche gehalten. Manchmal waren es nur H\u00fchner, manchmal auch Schweine oder Ziegen dazu, manchmal K\u00fche. 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